Tomatenzucht

Die Qualität von gekauften Tomaten hat zwar in den letzten Jahren zugenommen, richtig gut sind sie aber selten. Die Bedürfnisse der Bauern und der Verkäufer stehen bei der Zucht von Tomaten im Vordergrund: Sie müssen fest und lange lagerbar sein. Zudem reifen die Tomaten beim Transport bzw. in Reifehäusern, aber nur Tomaten, die am Strauch reifen entwickeln auch einen fruchtig süßen Geschmack. Typisch sind Cocktailtomaten an Rispen, wo alle Früchte gleich rot sind, das passiert bei natürlich gereiften Tomaten nicht, dort reifen die stammnahen Früchte zuerst.

Nun kann man fertige Tomatenpflanzen im Blumengeschäft oder auf dem Wochenmarkt kaufen, doch sind diese Pflanzen oftmals von schlechter Qualität, zu groß für die Jahreszeit und nicht richtig abgehärtet. Warum also nicht selber Tomaten ziehen? Hier eine Liste der Dinge, die man braucht (ich schreibe hier über das Optimum, variieren Sie nach Bedarf):

  • Ein Minigewächshaus, sehr gut ist eine Bodenheizung, mit einzelnen Pflanzschalen; ich habe eines von dem britischen Hersteller Garland.
  • Eine helle Fensterbank, am besten ist eine Süd-West-Exposition
  • Zusätzlich eine Pflanzenleuchte, ideal ist eine Leuchtstoff-Lampe mit einer speziellen Röhre für Pflanzen.
  • Zeitschaltuhr für die Leuchte, eingestellt für 12 Stunden Leuchtbetrieb pro Tag.
  • Granulat wie Seramis oder Perlit
  • Destilliertes oder abgekochtes Wasser
  • Pro Pflanze einen Kunststofftopf etwa 10-15 cm Durchmesser
  • Anzuchterde
  • und natürlich Tomatensamen

Das Saatgut bekommen Sie am besten im Saatfachhandel, eine sehr große Auswahl findet man z.B. bei Bio-Saatgut.de oder, wenn es gar nicht anders geht, im Baumarkt. Achten Sie bei der Wahl der Sorte, dass sie einigermassen krankheitsresistent ist. Ob Sie Hybride einsetzen, überlasse ich Ihnen.

Und so geht es:

  • Idealer Beginn ist Mitte März, es geht aber auch noch ein paar Wochen später, früher macht keinen Sinn.
  • Das Granulat spülen, um es vom Staub zu befreien und danach in die einzelnen Pflanzschalen füllen.
  • Die Saatkörner einzeln in das Substrat eindrücken, so dass sie leicht bedeckt sind, Mindestabstand etwa 1,5 cm.
  • Bodenheizung des Gewächshauses einschalten und mit abgekochtem bzw. destilliertem Wasser gießen, ideal ist zum Gießen eine Sprühflasche.
  • Deckel drauf und Licht an.
  • Jeden Tag das Granulat ein bisschen einsprühen, es darf nicht austrocknen.

Achten Sie darauf, dass die Pflanzen kein direktes Sonnenlicht bekommen, wenn das der Fall sein sollte, decken Sie die Pflanzschale mit Zeitungspapier ab. Auch sollte die Umgebungstemperatur nicht so hoch sein, 20-24 Grad sind optimal.

Nach ein paar Tagen sollten die Tomatensamen keimen, dann:

  • Natürlich weiterhin schön feucht halten.
  • Wenn die Keimblätter entfaltet sind, regelmäßig die Pflanzen lüften, das erzeugt gedrungene und widerstandsfähige Gewächse.

Wenn die ersten richtigen Blätter (nicht die Keimblätter!) entwickelt sind, wird pikiert:

  • Befüllen Sie die Kunststofftöpfe mit Anzuchterde und drücken diese fest.
  • Bohren Sie, z.B. mit einem Bleistift, in die Mitte ein Loch.
  • Ziehen Sie eine Pflanze vorsichtig aus dem Substrat und stecken diese bis zu den Keimblättern in das Loch.
  • Drücken Sie die Erde um die Pflanze leicht an und gießen Sie mit reichlich destilliertem oder abgekochtem Wasser.
  • Die Pflanzen immer schön feucht halten.
  • Stellen Sie nach ein paar Tagen auf normales Wasser um.
  • Einige Tage später und wenn das Wetter gut ist, die Pflanzen für einige Zeit nach draußen stellen.
  • Steigern Sie langsam die Zeitspanne, in der die Pflanzen draußen sind.

Wenn das Wetter gut ist, kein starker Regen und keine Temperaturen unter 7-8 Grad zu erwarten sind, sollten Sie die Pflanzen ab Ende April draußen belassen. Jetzt ist auch der Zeitpunkt langsam mit dem Düngen anzufangen. Kaufen Sie Dünger für Gemüsepflanzen bzw. Tomatendünger. Tomaten brauchen sehr viel Wasser und Nährstoffe.

Tomatenpflanze, 8 Wochen alt

Tomatenpflanze, 8 Wochen alt

Es ist Mitte Mai? Jetzt sollten die Pflanzen bleistiftdicke Stengel haben und etwa 15 cm hoch sein. Dann ist es Zeit die Pflanzen endgültig auszupflanzen:

  • Graben Sie ein Loch und füllen Sie es, wenn vorhanden, mit Kompost.
  • Alternativ gehen auch genügend große Töpfe, ich pflanze sie sogar in Blumenkästen.
  • Setzen Sie die Pflanze in das Loch und füllen mit Erde auf.
  • Drücken Sie das Substrat gut fest und gießen sie reichlich.
  • Geizen Sie die kleinen Triebe, die in den Blattachseln wachsen aus.
  • Düngen Sie regelmäßig und immer schön gießen.
  • Wenn die Pflanzen instabil werden, geben Sie ihnen eine Stützhilfe, z.B. einen Stab an dem Sie die Pflanzen anbinden. Nutzen Sie keine Spiralstangen, daran rutschen die Pflanzen ab.

Die ersten Blüten zeigen sich Mitte Mai, mit den ersten Früchten, abhängig von Sorte und Wetter, kann man ab Juli rechnen. Lassen Sie die Früchte möglichst lange am Strauch, umso besser schmecken die Tomaten. Gegen Ende der zweiten Augusthälfte sollten Sie die Pflanzen oben kappen, damit die verbleibenden Tomaten noch reifen können, bei mir erreichen sie bis dahin eine Höhe von 2 m und bringen pro Pflanze zwischen 3,5-4,5 kg Früchte.

Grundlagen